Septuple-Ultra-Triathlon 28.12.2012 - 14.01.2013 in Playa Blanca

Weiße Häuser, Berge und viel Wasser, das immer näher kommt erblicke ich nach rund vier Stunden Flugzeit beim Landeanflug auf Lanzarotes Hauptstadt Arrecife. Ich bin mal wieder dem ungemütlichen Wetter in Deutschland entflohen, um ein Trainingslager auf der nordöstlichsten der sieben größeren Kanareninseln durchzuziehen.

Tipp: Mittlerweile kann man mit dem Bus, Linie L61, vom Flughafen direkt in den Süden nach Playa Blanca gelangen, was die "Taxi-Mafia" bis vor kurzem erfolgreich verhinderte. Man spart die Differenz zwischen 50 EUR und 3,20 EUR für das Busticket je Fahrt.

Zurück zum eigentlichen Ziel: Zehn Langdistanzen (38/1800/422 km), aufgeteilt in einen Quintupel-, Quadrupel- und einfachen Ultra-Triathlon, sollten es schon sein - am besten innerhalb von 14 Tagen, entsprechend der IUTA-Regeln (IUTA = International Ultra Triathlon Association). Ein paar "Puffertage" habe ich hinten raus als Zugabe berücksichtigt - für den Fall der Fälle.

Dieser tritt auch schon gleich am ersten Tag ein. Das Schwimmen in der Bucht des "Playa de Flamingo" erweist sich aufgrund der Kälte als mühselig. Zwangspausen, um eine warme Dusche aufzusuchen, kosten viel Zeit. Nach 15,2 km, kurz vor Sonnenuntergang und brutto neun Stunden, habe ich meinen Plan bereits "umgestrickt". Ich teile die 10 Langdistanzen in 4-3-2-1-Abschnitte auf.

Meine Hauptroute (ca. 37 km/ca. 400 hm) fürs Radeln ist eine "Acht" von Playa Blanca hinauf nach Maciot und hinunter durch die kleinen Orte Las Brenas und La Hoya vorbei an der Meersalzaufbereitung "Salinas de Janubio". An der Westküste führt der Weg nun durch den Randbereich des Nationalparks "Timanfaya" auf und ab vorbei an der Touristenattraktion "Los Hervideros", ein durch Erosion entstandenes sogenanntes Kochloch im Lavagestein, zunächst in Richtung El Golfo, dann in Richtung Yaiza weiter. Am Kreisel angekommen, geht es nun rund elf Kilometer leicht bergab zurück nach Playa Blanca. Für die Dunkelheit habe ich aus Sicherheitsgründen einen 7,5 Kilometer langen Rundkurs vor der Haustüre gewählt, da dieser zum größten Teil beleuchtet ist.

Bis Silvester stehen die ersten 460 Kilometer und etwas über 3000 Höhenmeter zu Buche. Einer Einladung von Mayuret, meiner Radhändlerin, zur abendlichen Party leiste ich natürlich gerne Folge. Wie soll es anders sein: An Neujahr schaffe ich gerade einmal mühsam 114 Kilometer – das Ergebnis meines Alkoholkonsums. Schon tags darauf beende ich das Radfahren. 720 km mit rund 5200 Höhenmetern liegen hinter mir. Die Nettozeit beträgt rund 30,5 Stunden, also pro "Eiermann" rund sieben Stunden und 40 Minuten.

Eine feste Laufstrecke habe ich nicht; als Ziel lediglich das Bergmassiv "Los Ajaches" mit seinen zahlreichen Erhebungen, ausgetrockneten Wasserläufen und Wegen ausgemacht. Die ersten 10 Kilometer sind auf dem Weg dahin relativ schnell abgehandelt; muss ich vom Leuchtturm an der Südwestküste durch Playa Blanca hindurch nach Femes hinauf laufen. Dass die Immobilienkrise auch Lanzarote nicht verschonte, wird vielerorts deutlich. Zahlreiche halb gebaute Häuser bzw. Wohnanlagen werden von der Natur zurück erobert. Aber auch fertig gebaute Straßen an die kein einziges Gebäude grenzt "zieren" die Landschaft.

An drei aufeinander folgenden Tagen laufe ich je rund einen Marathon mit insgesamt 2200 Höhenmetern, was für mein Ziel, 10 Langdistanzen zu absolvieren, viel zu wenig ist. Das stete auf und ab auf schwierigem Untergrund lässt die Dauer länger werden als gedacht. Dennoch überwiegen natürlich die schönen Seiten: Weiße sowie schwarze, menschenleere Strände liegen auf meinem Weg. Überhaupt treffe ich während der ganzen Zeit gerade einmal 4 Menschen – passieren darf also nichts. Nachdem ich einen Anstieg mehr oder hinauf geklettert bin, kann ich am Ende des ausgetrockneten Flusslaufes ein in den Felswänden Windspiele und daneben ein Beet mit Palmen, Kakteen und Agaven sehen. Fleißige Helfer haben hier ganze Arbeit geleistet und eine gelungene Überraschung geschaffen. Auf den Anhöhen genieße ich fantastische Ausblicke über die Bergkämme hinweg, in Schluchten hinein aber auch auf die kreisrunden Fischzuchtnetze im Meer. Die knapp 170 km bringe ich in rund 22 Stunden hinter mich, also einem Schnitt von ca. 7:20 min/km.

Auf die mühsamen 11,4 km Schwimmen folgt der schönste Radteil. Dabei durchquere ich fast die ganze Insel. Durch den Nationalpark gelange ich auf der „Ironman“-Strecke hinauf nach „Haria“ und schließlich nach „El Mirador“. Im kleinen Fischerdörfchen Orzola, im Nordosten der Insel, fülle ich meine Vorräte auf. An der Ostküste entlang fahre ich durch bis Tahiche und über San Bartolome hinauf in die Region „La Geria“. Tausender kleiner Mulden im Lavagranulat, welche von kniehohen Steinmauern umgeben werden, kennzeichnen die Gegend und sind das Ergebnis fleißiger Weinbauern. In unwirtlicher Natur setzen sie die Rebstöcke an den Grund der Mulden und schützen diese so vor starken Winden.

Auf der „Weinstraße“ fahre ich an den zahlreichen Bodegas vorbei, wo die Erzeugnisse verkauft werden. Nach rund 8 Stunden und 180 km bin ich wieder am Leuchtturm im Südwesten angekommen. Zusammen mit weiteren Einheiten lege ich neben den 540 km auch nochmals 4500 Höhenmeter zurück; Zeit dafür rund 23 Stunden.

Wie schon im ersten Teil führen meine Etappen wieder über die Berge hinweg. Steile Kletterpassagen und stolperanfällige Abgänge wechseln stetig. Während einer Unachtsamkeit trete ich dabei in einen kleinen Dillenius-Feigenkaktus, verdeckt durch einen Stein. So schön diese auch sind, so schmerzhaft sind die Stacheln, die durch die Schuhe hindurch gehen. Fuß „repariert“ und weiter geht’s. Auch die vier traumhaft schönen Buchten der Papageien-Strände lasse ich natürlich nicht aus. Diese erhielten ihren Namen nach einem vor der Küste gesunkenen Piratenschiff.

Bis zum Tag vor der Abreise bringe ich auch die letzten drei Marathons hinter mich – benötigte Zeit sind rund 16 Stunden. So kann ich auf sieben harte Langdistanzen mit insgesamt rund 14000 Höhenmetern positiv zurückblicken und habe für nächstes Jahr schon wieder das nächste Ziel: 10 Langdistanzen!

TagSchwimmenRadfahrenLaufen
  km h km h km/h hm km h min/km hm
28.12.2012 15,2 5:01:14                
29.12.2012     154,93 6:52:39 24,18 1184        
30.12.2012     165,76 6:51:14 23,17 881        
31.12.2012     140,13 6:02:53 24,75 1099        
01.01.2013     113,88 4:46:34 23,84 956        
02.01.2013     146,07 5:59:59 24,35 1104 5,17 0:34:54 6:45 50
03.01.2013             40,06 4:42:11 7:03 235
04.01.2013             47,64 6:28:38 8:09 880
05.01.2013             41,94 6:03:20 8:40 1070
06.01.2013             25,72 3:10:30 7:24 256
07.01.2013 11,4 3:48:13         8,42 0:52:42 6:16 107
08.01.2013     178,49 7:08:03 25,02 1312        
09.01.2013     177,27 7:48:03 22,72 1745        
10.01.2013     156,78 6:52:47 22,79 1187        
11.01.2013     29,44 1:11:11 24,81 280 7,71 0:58:09 7:33 67
12.01.2013             44,12 5:53:26 8:01 1044
13.01.2013             47,63 5:48:43 7:19 237
14.01.2013             27,78 3:13:58 6:59 587
Quadrupel 15,2 5:01:14 720,77 30:33:19 23,61 5224 168,95 21:52:15 7:23 2598
Triple 11,4 3:48:13 541,98 23:00:04 23,84 4524 127,24 15:54:16 7:28 1935
Septupel 26,6 8:49:27 1262,75 53:33:23 23,71 9748 296,19 37:46:31 7:25 4533