Deca-70.3 (Freestyle-Version) 21.-30.04.2011

Mein Vorhaben, über Ostern mit 4 Tagen Urlaub und an den daraus resultierenden 10 freien Tagen am Stück 10 Halbdistanzen erfolgreich zu beenden, hat sich mangels Urlaub zerschlagen. So wähle ich die "Freestyle-Variante", quasi meine eigene Kreation aus der Not heraus, und versuche "nur" die entsprechenden Gesamtdistanzen von 19 km Schwimmen, 900 km Radfahren und 211 km Laufen in den 10 Tagen hinter mich zu bringen.

Zur Erklärung: Ultra-Distanzen im Triathlon fangen ab der doppelten Langdistanz (3,8/180/42,2 km) an und werden am Stück absolviert, also beispielsweise beim Triple-Ultra-Triathlon (3*3,8 km =) 11,4 km Schwimmen, 540 km Radfahren und 3 Marathons zum Schluss. Einzige Ausnahme bildet der Deca-Ultra-Triathlon. Diesen gab es 2x mal in der halb-offiziellen Variante, dass an 10 aufeinander folgenden Tagen je 1 "Ironman" absolviert werden musste, zuletzt 2010.

Meine Variante zielt darauf ab, an den freien (Feier-)Tagen mehr an Kilometern hinter mich zu bringen, um an den Arbeitstagen entsprechend weniger machen zu müssen. Zudem ist der Trainingseffekt deutlich höher, da ich unterschiedliche Umfänge und Intensitäten wählen kann. So beginne den Donnerstagnachmittag mit 180 km Radfahren und laufe bis nachts um 1.15 Uhr noch 23 km.

Am Samstag fahre ich 2x über den Feldberg und laufe wiederum bis in den nächsten Tag hinein einen Marathon am Mainufer. Der unbezahlbare schöne Blick auf die in unterschiedlichen Farben strahlenden Bankentürme und Brücken wird dabei leider durch die oftmals derben Beleidigungen eines Teils der saufenden und kiffenden "Party-Gesellschaft" getrübt. Meine Laufrunden gleichen somit eher einer Sozialstudie über die "Perlen" aus der Mitte unserer Gesellschaft um die sich unsere Politiker so gerne zanken und deren Zustand sich von Laufrunde zu Laufrunde deutlich verschlechtert.

Am Ostermontag, dem fünften Tag, fahre ich meine längste Tour mit rund 208 km und habe somit schon knapp 700 der insgesamt 900 Radkilometer hinter mich gebracht. Die Strecke führt u.a. ab Wicker bis Heftrich über den neuen Wiesbadener 70.3-Ironman-Kurs. Statt der 4 Anstiege des alten Kurses folgen Auf- und Abfahrten in stetem Wechsel. Schöne Ausblicke über Weinberge hinweg und schnelle Ortsdurchfahrten charakterisieren die tolle Strecke. Zudem sorgen enge Kurven und eine Spitzkehre in Rambach für gehobenen Anspruch. Die "Platte" wird nun auch in umgekehrter Richtung zu fahren sein.

Am Mittwoch folgt mit 8 km meine längste Schwimmeinheit; donnerstags der längste Lauf mit knapp 53 Kilometern. Meine Runde führt über Bergen-Enkheim, Hohe Straße (verbindet das Bistum Mainz mit dem Bistum Fulda) und Mittelbuchen zum Wilhelmsbad in Hanau. Von dort aus geht’s weiter zur Schleuse in Mühlheim, wo ich den Main überquere. Es folgt der schönste Teil der Runde durch den Steinbruch. Von dort aus laufe ich nach Offenbach Bieber am Kickers-Stadion vorbei in Richtung Offenbacher Autobahn-Kreuz. Von Süden nähere ich mich nun dem Goetheturm, bis 1999 mit 43 Metern Deutschlands höchstes reines Holzbauwerk, in Frankfurt Oberrad. Nach exakt 4:35.00 Stunden endet mein Erlebnislauf in Frankfurts Innenstadt am Friedberger Platz.

Samstag, Tag 10 - noch 4 km Schwimmen, 150 auf dem Rad und 51,5 sind zu laufen. Im Prinzip handelt es sich nur noch um die "Kleinigkeit" einer Langdistanz – ein wenig mehr laufen dafür weniger radeln. Um 9.30 Uhr kann ich den ersten Haken nach insgesamt 19 absolvierten Schwimmkilometern setzen.

Nach verschiedenen Besorgungen sitze ich um 12.00 Uhr auf dem Rad. Meine Tour führt mich kreuz und quer durch die Wetterau. Nach 2 Stunden naht ein Unwetter von Nordosten heran. Gleich dreimal gerate ich auf meiner "Flucht" im Randbereich des Gewitters in Regen und Hagel. Meine geplante Tour passe ich fortan nur noch den Witterungsumständen an. So treiben mich Blitz und Donner immer dichter an die Wasserscheide Richtung Frankfurt zurück, wo ich am Ende auf einer 6 km langen Strecke noch 3 Runden drehen muss, um auf meine Distanz zu kommen. Schließlich kann ich um 17.30 Uhr den nächsten Haken setzen.

Die letzten rund 52 km nehme ich nach der Sportschau in Angriff. Ab 20.30 Uhr bin ich am Frankfurter Mainufer unterwegs. Nach rund 2,5 Stunden habe ich die psychologische Hürde von 26 km genommen. Jetzt kann ich die Kilometer rückwärts zählen. Kurze Zeit darauf treffe ich auf vom Gastspiel in Mainz mit dem Schiff zurückkehrende Eintracht-Fans. Ob der 3:0-Niederlage ist die Stimmung derer natürlich weniger gut, um es mal gelinde auszudrücken. Für mich als Kickers-Fan ist dies natürlich eine große Freude und gelungene Ablenkung von den Strapazen, obwohl einem das kickende Offenbacher Personal derzeit auch keine Freude bereitet. Auch das ist noch gelinde ausgedrückt.

Mit fortschreitender Uhrzeit werden die Ufer menschenleerer. Die Verbliebenen geben sich meist dem Alkohol hin und ein kleiner Teil beschimpft mich – Sozialstudie Teil 2. Um der Rundenmonotonie entgegen zu wirken, beschließe ich mal eine größere, mal eine kleinere Runde, mal oben auf der Promenade, mal unten am Ufer abwechselnd zu laufen. Mal wechsele ich das Ufer an der "Alten Brücke", mal an der "Flößerbrücke", mal an der "Friedensbrücke", mal an der … So gleicht keine Runde mehr der vorangegangenen.

Die letzten Kilometer laufe ich nur noch in einem Schnitt von knapp über 7 Minuten, aber nach 5,5 Stunden um 2.00 Uhr ist es endlich vollbracht – 1130 Kilometer habe ich in 10 Tagen bezwungen. Ziel erreicht! Meine Freude darüber weicht der Müdigkeit rasch – duschen, essen, trinken und ab ins Bett.

Im Wettkampf sind solche Distanzen einfacher zu überwinden, vor allem wenn man sich um nichts kümmern muss – sprich Rundumversorgung durch den Veranstalter hat oder bei den Ultra-Triathlons durch sein Team versorgt wird. Aber eine schöne Erfahrung allein ein solches Unterfangen zu planen und erfolgreich zu beenden ist es allemal.

TagSchwimmenRadfahrenLaufen
  km h min/100m km h km/h km h min/km
Donnerstag       181 6:20 28,62 22,7 2:14 5:54
Karfreitag       104 3:31 29,56      
Ostersamstag 3 0:56 1:51 130 5:27 23,87 42,5 4:15 6:00
Ostersonntag       53 1:48 29,75      
Ostermontag       208 7:24 28,04      
Dienstag 4 1:10 1:46       31,5 2:39 5:03
Mittwoch 8 2:26 1:51       10 0:58 5:49
Donnerstag             52,9 4:35 5:12
Freitag       76 2:39 28,52      
Samstag 4 1:11 1:47 150 5:12 28,84 51,9 5:28 6:19
Gesamt 19 5:43 1:48 902 32:21 27,87 211,5 20:09 5:43