Ironman EM 05.07.2015 in Frankfurt

Ironman Frankfurt 2015Nach 3 Jahren Abstinenz folgt mein 6. Start beim Ironman in Frankfurt und alles ist anders als zuvor. Die Schwimmstrecke wird entgegengesetzt absolviert; dazu der Start von Land eingeführt. Das anschließende Umziehen darf nur noch im Wechselzelt erfolgen; nichts darf beim Rad am Boden liegen.

Die Radstrecke ist ebenfalls leicht verändert: Der nördlichste Punkt liegt nun nicht mehr an den Salinen in Bad Nauheim sondern an der Burgmeile in Friedberg. Dafür misst die Streckenlänge, die sonst je nach Änderungen wegen Baustellen immer zwischen einem und fünf Kilometer zu lang war, fast exakt 180 Kilometer. Dazu kommt eine katastrophale Regeländerung fürs Radeln: Erst bei der 3. Ermahnung für Windschattenfahren wird der Athlet disqualifiziert. Dies kommt einem Freibrief fürs Betrügen auf der Radstrecke gleich – dazu später mehr. Eine weitere Neuerung, die beide Wechselzonen betrifft ist, dass man seine Beutel selbst aus- und seine benutzten Utensilien auch wieder einpacken muss. Bis auf die Windschattenregel finde ich alle Änderungen super.

3 Wochen sind nun seit dem Doppel-Ultra-Triathlon in Emsdetten vergangen und ich weiß nicht genau, in welchem Zustand sich mein Körper befindet. Mein Ziel definierte ich zunächst damit, eine neue Bestzeit anzugehen. Aufgrund der Wettervorhersage mit Temperaturen bis zu 40 Grad Celsius relativiere ich mein Vorhaben und bin schon mit einer Zeit unter 10 Stunden zufrieden. Der Renntag sollte doch entscheidend anders verlaufen.

Schon das Schwimmen, welches bei 27 Grad Wassertemperatur ohne Neopren ausgetragen wird, verläuft ungut. Gefühlt bin ich gut unterwegs, doch meine Zeit beträgt fast 1:14 Stunden – für mich unerwartet negativ. Beim Radeln läuft es für mich wesentlich besser und ohne mich übermäßig zu verausgaben erreiche ich nach weiteren rund 5:30 Stunden die 2. Wechselzone am Mainufer. Was sich allerdings auf der Radstrecke abspielte spottet jeder Beschreibung eines fairen Rennens.

Die Eingangs angesprochene Regeländerung fürs Windschattenfahren führt dazu, dass mich ganze Gruppen Rad an Rad überholten. Meine Versuche die 10 Meter Abstand zum Vordermann immer wieder herzustellen, scheiterten spätestens an dem Punkt, als mich eine ca. 50 Mann starke Gruppe überholte. Die motorisierten Schiedsrichter kapitulierten beim Versuch die Gruppe aufzulösen. Ich konnte vernehmen, dass diese vergeblich Verstärkung anforderten, um der Lage Herr zu werden. Doch die nächste Penalty-Box war leer.

Dass diese, wahrscheinlich in allen Lebenslagen unbrauchbaren Flachzangen, vor mir in den Ergebnislisten auftauchen, ist mir nur daher egal, da es nicht mein Ziel ist, mich für die Weltmeisterschaft in Hawaii zu qualifizieren. Apropos unbrauchbar: Schon auf den ersten Metern der Laufstrecke fühlt sich meine rechte Wade wie ein Stein an. Woher dies kommt kann ich nur mutmaßen. Probleme dieser Art sind mir völlig unbekannt. Ich schätze, dass ich beim Schwimmen einen oder mehrere Schläge abbekommen hatte, ohne dies zu bemerken.

Mit diesem „Klumpen“ musste ich den kompletten Marathon laufen. Mein Ziel relativierte ich im Verlauf nochmals und wäre nun schon mit einer Zeit unter 11 Stunden zufrieden gewesen. Die ersten beiden, Frodeno und Kienle, rauschten an mir vorbei, während ich nur noch damit beschäftigt war einen Laufstil zu finden, mit dem ich einigermaßen zurechtkam. Die Supporter am Streckenrand erhellten immer wieder meine Miene.

Die 11-Stunden-Marke verfehlte ich auch noch knapp, was aber nicht das eigentliche Problem darstellte. In meinen Gedanken bin ich schon beim nächsten Wochenende in Roth. Wie soll das bloß werden? Den Marathon komplett gehen? Inmitten meiner Fragen empfängt mich Kirsten im Athlet’s Garden, die bei ihrer ersten Langdistanz fast sekundengenau die Zeit von meiner ersten Langdistanz in Frankfurt erreichte. Sie wird mit 10:43:17 Stunden gar 3. In Ihrer Altersklasse.

Aus unserem Sportshop-Triathlon-Team erreichten Annabel und Kerstin die Ziellinie nach hartem Kampf. Rainer musste mit einem Hexenschuss leider aufgeben. Die fast 40 Grad Celsius gehen an kaum jemandem spurlos vorbei. Die Gegensätze könnten jedoch nicht größer sein, denn auf der einen Seite erzielte Frodeno einen neuen Streckenrekord, auf der anderen Seite war die DNS- und DNF-Quote mit 34,5% so hoch wie nie. Gar 300 Athleten kamen nicht einmal zum Schwimmstart, ob der vorausgesagten Temperaturen.

Mein Dank gilt denen, die mich am Wegesrand anfeuerten, alles im Bild festhielten und auch in Gedanken bei mir waren – u.a.: Eva, Peter, Nils, Nadine, Heiko, Caro, David, Kristin, Mici, Andi, Tanja, Marco, "Lance", Eva-Vanessa, Till, Katrin, Jana, Clemens, Holger, Petra, Oliver, Claudia, Eric …

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Ergebnisanalyse von Russell Cox (Coach Cox)