Ironman EM 24.07.2011 in Frankfurt

Wie schon im Vorjahr nehme ich am Donnerstag vor dem "Längsten Tag" am Ironman NightRun, einem 3x5-km-Staffellauf, am Mainufer teil. Unser Team - Steffen, Clemens und meine Wenigkeit - belegt mit einer Zeit knapp unter einer Stunde einen der vorderen Plätze. Die Startunterlagen hole ich mir ebenfalls an diesem Tag. Der mir bekannte Ablauf findet Freitag mit der Wettkampfbesprechung und Samstag mit der Radabgabe seine Fortsetzung.

Der Wettkampf steht dieses Jahr im Zeichen eines Testlaufs, wie ich die Anstrengung im Hinblick auf den 5 Tage später stattfindenden Triple-Ultra-Triathlon in Lensahn verkraften werde. Der Ironman wurde vom Anfang des Monats wegen mehrerer Spiele der Frauen-Fußballweltmeisterschaft und der damit verbundenen Belegung des Mainufers durch die "Fanmeile" verlegt. Der "Testlauf" ermöglicht mir, mich unter Wettkampfbedingungen auf mein zukünftiges Ziel, nämlich die 10-fache "Ironman-Distanz" zurückzulegen, vorzubereiten.

Wie so oft muss ich mir von einigen "einfachen Langdistanzlern" anhören, dass ich total verrückt sei, 2 Wettkämpfe solchen Ausmaßes in so kurzer Zeit bewältigen zu wollen. Ich sehe es natürlich vollkommen anders: Auf dem Weg zum Deca-Triathlon ist es doch fast luxuriös von einer Veranstaltung zur nächsten 5 Tage Pause zu haben. Leute aus der Ultra-Szene stimmen mir zu; die anderen überzeugt mein Argument nicht. Sei es drum.

Die erste der vier Langdistanzen steht vor der Tür. Sonntag - 4.00 Uhr, der Wecker klingelt. Wie immer bin ich sofort hellwach, frühstücke, mische mein Konzentrat für die Radflasche usw. Mit dem Shuttle-Bus des Veranstalters gelange ich zum Langener Waldsee. An meinem Platz in der Wechselzone angekommen, richte ich meine Dinge. Dabei komme ich mit einem Athleten neben mir ins Gespräch.

Ich: "Bist Du das erste Mal hier in Frankfurt oder warst Du schon öfter hier?"
Er: "Das ist jetzt das 8. Mal … aber auch das letzte Mal."
Ich: "Respekt! Zusammen sind wir dann schon zum 13. Mal hier."
Er: "Sauber."
Ich: "Hast Du genug von Frankfurt oder ist es Dir mittlerweile zu teuer?"
Er: "Das Geld ist das eine; irgendwo sind Grenzen - richtig. Daneben hat sich das ganze Drumherum rasant zum schlechteren entwickelt. Was man heute alles an Utensilien braucht, um ein guter Triathlet zu sein. Schau Dir nur mal das Material um Dich herum an. Da geht es doch schon lange nicht mehr um den Sport."
Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

Wie auch immer - der Startschuss steht kurz bevor. Es ist kalt und Regen ist vorausgesagt, also alles andere als mein Wetter. Zumindest der Gang ins "warme" Wasser ist noch wohltuend. Los geht’s. Ich halte mich wenige Meter von der Ideallinie entfernt auf, um jeglichen Kontakt zu meinen Mitstreitern zu umgehen. Mein Ziel, diesen Wettkampf und den Triple-Ultra erfolgreich zu beenden soll durch nichts gestört werden.

Ruhig ziehe ich mein Ding durch. Mit zwei weiblichen, ich nenne sie mal "Pseudo-Profis", die mit 20 Metern Vorsprung auf uns Altersklassenathleten gestartet sind, bin ich beim Landgang gleichauf. War "Eddie the Eagle" noch eine Kultfigur und einmalig, sind diese Realitätsverweigerer, die von zahlreichen Altersklassenathleten um Längen geschlagen werden, einfach nur peinlich (für den Sport).

Das Schwimmen beende ich etwas über meiner angepeilten Zeit von einer Stunde. Gelassen gehe ich den folgenden Anstieg bis ins Wechselzelt. Ich nehme mir die Zeit für einen Plausch mit den Helfern – meine Zeit dürfte mit rund 14 Minuten die langsamste des gesamten Feldes sein.

Wie ein "Vermummter" gehe ich auf die Radstrecke. Windjacke, Beinlinge, Überschuhe, Handschuhe und eine Mütze sollen mich vor Kälte und Regen schützen. Auf meiner Fahrt, deren Schnitt ich mit 30 km/h geplant habe, bin ich zunächst voll im Soll. Nur die Kälte nagt an mir. Meine Füße werden immer kälter, bis ich sie noch vor Ende der ersten Runde gar nicht mehr spüre. Meine Oberschenkel befinden sich zumindest gefühlt im Übergang zum festen Aggregatzustand.

Mein Druck auf die Pedale lässt merklich nach. Ich werde von zahlreichen Athleten überholt. Teilweise sind diese, vor allem die Frauen, so leicht bekleidet, dass ich mich frage, wie die das Rennen überstehen werden bzw. wollen. Zu allem Überfluss setzt auch noch Regen ein. Nach rund 6:30 Stunden gelange ich in die Wechselzone. Wie ich später erfuhr, haben die Wettkampfrichter zahlreiche Athleten wegen Unterkühlung aus dem Rennen genommen, wenn diese nicht gar selbst zusammengeklappt waren, wie z.B. die Profi-Triathletin und Siegerin von 2007 Nicole Leder.

Nach wenigen Kilometern am Mainufer werden meine Füße endlich wieder warm. Es ist immer noch kalt, sehr kalt. Ich komme einfach nicht in Fahrt. Da mir meine Endzeit egal ist, verweile ich am Streckenrand auch kurz zum Quatschen bei Freunden und Bekannten. So nehme ich wieder einmal Runde um Runde. Ohne konkretes Ziel vor Augen ist dies nicht so einfach. Auch meine Suche nach einem Gesprächspartner auf der Laufstrecke bleibt erfolglos. Es ist und bleibt eben ein Einzelkämpfersport und so komme ich nach etwas mehr als 12 Stunden auf dem Römer im Ziel an. Teil 1 in dieser Woche habe ich somit erfüllt; ab Freitag folgen Teil 2, 3 und 4 am Stück.

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