Ironman EM 04.07.2010 in Frankfurt

"Besser gelaufen als erwartet und das im wahrsten Sinne des Wortes"; so lautet mein Fazit am Ende eines mal wieder wunderbaren Tages. So bleibe ich auch dieses Jahr, trotz Verletzungen und eines dadurch einhergehenden immensen Trainingsrückstandes, wieder unter 10 Stunden und kann den Zieleinlauf langsamen Schrittes endlich einmal genießen. Der Zielkanal als Wohlfühloase – ein Wahnsinnsgefühl! Mit einem Sprung geht es die letzten Meter ins Ziel. Mein Knie hat gehalten; meine Zeit ist von vier Teilnahmen die Zweitbeste. Ein genialer Tag bei strahlendem Sonnenschein, wie auch schon die Tage zuvor.

Während diesen erfolgt das bekannte Prozedere. Mittwochs nehme ich an der geführten Streckenbesichtigung mit u.a. Holger und Clemens teil. Am Tag darauf hole ich die Startunterlagen und laufe am Abend aushilfsweise zum ersten Mal beim Ironman-Nightrun-Staffellauf mit. Am Ende sollte ich 18.40 Minuten für die 5 Kilometer am Mainufer benötigen. Freitags heißt es, wie immer Wettkampfbesprechung in der Eissporthalle und im Anschluss futtern wir uns bei der Pasta-Party voll. Abends fülle ich die Wechselzonenbeutel, welche ich am Samstag mit dem Rad abgeben werden muss. Es ist immer wieder ein schönes Bild am Langener Waldsee, Rad an Rad fein säuberlich an den Stangen aufgereiht, zu sehen. Nachdem ich alle Organisatorischen Dinge erledigt habe geht es ab nach Hause; Deutschland gegen Argentinien steht auf dem Speiseplan. Nach dem unerwartet hohen 4:0-Sieg stelle ich abends noch meine Sachen für den nächsten Tag zusammen.

Race Day! Wie immer verlasse ich zu einer Uhrzeit das Haus in Richtung Shuttle-Busse, während der viele Menschen gerade aus diversen Clubs mehr oder weniger betrunken hinausfallen. Welch Gegensätze!?

Um 5.30 Uhr kommen wir am See an. Ich richte schnell meine Sachen am Rad: Kleinen Gang auflegen, Trinkpott füllen, Computer anklicken, Energie-Riegel aufreißen und in Oberrohrtasche verstauen sowie meine Reifen aufpumpen. Ich werde das erste Mal barfuß in meine Radschuhe schlupfen. Dazu befestige ich sie mit Gummis an Flaschenhalter und auf der anderen Seite am Schnellspanner. Zudem streue ich Penaten Puder in die Schuhe um Scheuerstellen zu vermeiden oder wenigstens zu minimieren. Das lästige Anziehen des Neopren-Anzugs entfällt diesmal, da ab einer Wassertemperatur von 24,5 Grad Celsius ein Verbot herrscht. Es sollte das 2. Mal in der Geschichte des Ironman in Europa sein, dass die Wassertemperatur den Grenzwert übersteigt. Das erste Mal war es ebenfalls in Frankfurt 2006.

Für mich, als guten Schwimmer, sollte dies zumindest für die Rangfolge ein Vorteil sein. Soweit die Theorie. In der Praxis kommt es jedoch anders. Trotz meiner Trainingszuwächse schwimme ich zwar mit 1:04.13 Stunden für meine Verhältnisse schnell, bin aber "nur" 300. im Wasser. Im Vorjahr war ich noch 196. Erklären kann ich diesen Umstand nicht, da ich schnell in meinen Rhythmus gefunden habe und auch einen relativ kurzen Weg im Wasser um die Bojen herum nehmen konnte. Sei es drum. Bemerkenswerter ist der Umstand, dass mich wenige hundert Meter vor dem Ufer ein Athlet aus der zweiten Startgruppe überholt. Er sollte mir somit mehr als 15 Minuten allein im Wasser abnehmen.

Ich "fliege" durch die Wechselzone. Schnell entledige ich mich meiner Badekappe, Ohrenstöpsel und Schwimmbrille. Helm und Brille sind im nu aufgesetzt, in die Startnummer am Band eingestiegen, nach hinten gedreht und das Rad geschnappt. Im Laufschritt geht es hinaus auf den Asphalt bis hinter die blaue Linie. Aufgesetzt, die Füße stelle ich den ersten Kilometer auf die Schuhe, damit sie trocknen. Ich streife den Sand von meinen Füßen ab und steige während der Fahrt in die Radschuhe. Mein gesamter Wechsel ist mit 3.19 Minuten halb so schnell wie noch im Vorjahr. Ein erster Erfolg.

Meine neuen Laufräder machen sich bezahlt. So rolle ich ohne großen Kraftaufwand mit einem 36er-Schnitt zum ersten Mal nach ca. 13 Kilometern (ja, es ist einer mehr als angegeben, die Radstrecke ist nämlich mit 181 KM immer zu lang!) an der Wechselzone vorbei. Kurz darauf, an der alten Brücke, wartet Alex, wie verabredet, mit der Kamera auf mich. Bild im Kasten! Ein erster Fixpunkt. Viele weitere sollen im Rennen folgen. Wie schon gewohnt geht es zu den ersten Anstiegen in Bergen Enkheim und zum Hühnerberg. Der Applaus ist lautstark. Weiter geht es gen Norden. Auf dem Rückweg verbremse ich mich in der Baustelle an der FH in Frankfurt. Schlingernd, aber gekonnt manövriere ich mein Rad zwischen den Baustellenschildern hindurch auf die Gegenfahrbahn. Glück gehabt – nichts passiert.

Die zweite Runde verläuft weniger spektakulär. In Friedberg bin ich plötzlich für ganze 5 Minuten allein. "Bin ich schon auf der dritten Runde oder habe ich mich verfahren?" Vor mir ist niemand; von hinten naht keiner heran. Ein wohl einmaliger Zustand der Rennkonstellation. Durch eine Umleitung ist jede Runde ca. 2 Kilometer länger. Ein kurzes Stück des Umweges führt dabei über die Autobahn. Am letzten Anstieg, dem Heilsberg, herrscht wie immer Tour de France Feeling. Es wird eng und enger. Mitstreiter überholen ist so gut wie unmöglich. Oben angekommen fülle ich ein letztes Mal meinen Trinkpott. Ab hier geht es ca. 10 KM hinab auf die Skyline in Frankfurt zu. Am Ende steht auf der ca. 5 Kilometer längeren Strecke eine Radzeit von 5:28.44 Stunden zu buche. Das Stundenmittel gleicht nahezu dem des Vorjahres.

Auch der zweite Wechsel verläuft, wenn auch knapp, mit neuem Rekord (2.16 Minuten). Ich laufe schnell an; bin mit einem 4-Minuten-Schnitt unterwegs. Es ist warm und drückend schwül. Ein Wetter, das mir liegt. Viele Bekannte treffe ich an der Strecke. Runde um Runde nehme ich wie gewohnt. Timo Bracht überrundet mich in meiner zweiten Runde, Sandra Wallenhorst in meiner Dritten. Fünf Altersklassenathleten überholen mich gleich zu Beginn. Von ihnen kann ich vier wieder einsammeln. Während fast der gesamten Strecke merke ich, dass meine Innenseiten der Oberschenkel zu schwach sind. Ein Krampf ist stets kurz vorm Zuschnappen. So muss ich alternierend Tempo rausnehmen und kann nach kurzer Erholung auch wieder zulegen. Das Vabanque-Spiel geht bis zum Ende(3:19.24) gut.

Auf dem roten Teppich angekommen, sehe ich von weitem, dass ich deutlich unter 10 Stunden bin und verfalle in einen langsamen Schritt. Endlich besinne ich mich mal darauf einen Zieleinlauf zu genießen. Mein Dank gilt dem Publikum, das einen förmlich ins Ziel schreit, als auch den zahlreichen Helfern, die so eine Veranstaltung erst möglich machen. Zudem danke ich Alex O., Alex J., Alex A. und Familie, Anja, Bernhard, Bianca, Gianfranco, Sherri, Judith und Freund, Dorina, Siggi, Katja, Caro Ö. und Papa, Nette, Elli, Caro R., Micika, Mirjana, Patrick, Paul, Stefan, Tinka und Tanja, die mich in ihrer Rolle als freiwillige Helferin im Ziel in Empfang nimmt, für Anfeuerung an der Strecke und Foto-Service.

Ich husche mal wieder durch den "Athlete‘s Garden", wo ich meine persönlichen Sachen zusammentrage und begebe mich zu meinen Bekannten runter an den Main an die Laufstrecke. Wir haben mit Judith, Alex, Clemens und Holger noch 5 Leute auf der Strecke, die wir anfeuern. Während Clemens bei seinem ersten Versuch nach erstaunlichen 11:28 Stunden das Ziel erreicht, läuft es für die anderen 4 weniger gut. Aber auch sie erreichen den Strich: Holger nach 13:15 h, Thomas nach 13:54 h, Alex nach 14:34 h und Judith nach 14:37 h.

Den Tag beschließen wir alle wie immer mit einem gemeinsamen Essen; allerdings nicht ohne zuvor den letzten Finishern ihren verdienten Applaus zu spenden.

Bei der Siegerehrung am folgenden Tag kommt es "knüppeldick": Die Slotvergabe für Hawaii steht an. Als 41. bei 19 zu vergebenen Startplätzen in meiner Altersklasse, denke ich im Traum nicht daran eben eine dieser heiß begehrten Fahrkarten zu bekommen. Die ersten Plätze gehen schnell weg. Name um Name verlesen. Immer öfter kommt keine Antwort des aufgerufenen Athleten oder ein "Nein!". Bei Platz 36. angelangt bittet der Veranstalter alle noch Anwesenden der Altersklasse, die nach Hawaii wollen nach vorne zu kommen, um einen Zeitvergleich vorzunehmen. Ich muss leider schweren Herzens sitzen bleiben, da ich nicht über die nötigen finanziellen Mittel verfüge. Der 46. ist der letzte Glückliche.

Ironman Frankfurt 2010ZeitSchnitt *Gesamt/2351AK/421
Schwimmen 2,2 KM: 0:34.52 1.35 279. 60.
Schwimmen 1,6 KM: 0:29.21 1.40 338. 82.
Schwimmen **: 1:04.13 1.41 300. 66.
Wechselzone 1: 3.19 - 151. 27.
Radzeit bis Mainkai: 21.47 35,81 713. 149.
Radzeit 1. Runde: 2:27.51 34,90 636. 135.
Radzeit 2. Runde: 2:39:06 32,43 736. 164.
Radzeit ***: 5:28:44 33,77 663. 148.
Wechselzone 2: 2.16 - 700. 143.
Laufen 1. Runde: 46.52 4.28 99. 21.
Laufen 2. Runde: 50.35 4.49 133. 31.
Laufen 3. Runde: 49.38 4.44 46. 9.
Laufen 4. Runde: 52.19 4.53 57. 12.
Marathon: 3:19.24 4.44 67. 13.
Gesamtzeit: 9:57.56 - 177. 41.
* Schwimmen in min/100m, Radfahren in km/h, Laufen in min/km
** Schwimmen im Langener Waldsee ohne Neopren
*** Radstrecke 185 statt 180 KM lang