Deca-Ultra-Triathlon 10x1 24.08.-02.09.2016 in Buchs

Deca-Ultra-Triathlon Buchs 2016Eines meiner Lebensziele ist bzw. war einen Deca-Ultra-Triathlon in jeweils einer der beiden Versionen (Disziplinen am Stück bzw. wie heuer in der Tagesvariante) erfolgreich zu beenden. Die Chance 50% davon zu erfüllen bot sich nun endlich in Europa. Getreu des Mottos gibt's natürlich zehn Fakten zum Deca-Ultra-Triathlon 10x1 in Buchs/Schweiz.

1. Den Wettkampf in dieser abgewandelten Variante (Ultra-Distanzen werden i.d.R. am Stück absolviert!) gab es erst 6x. Dabei stellen der Ungar Ferenc Szönyi mit 115:01:30 Stunden (Monterrey, Mexiko, 2009) den Weltrekord sowie Michael Gärtner mit 136:17:49 Stunden (Monterrey, 2007) den deutschen Rekord. Neben einem erfolgreichen Finish war das Unterbieten des deutschen Rekords mein Ziel.

2. Problemstellung: 10 aufeinanderfolgende Tage von 7:00 Uhr an bis spätestens um 3:00 Uhr in der Nacht je eine Langdistanz (3,8/180/42,2 km) zu absolvieren! Die Taktik dafür lautet, das richtige zeitliche Verhältnis zwischen Sport, Essen, Rad- und Klamottenpflege, Körperhygiene, Dehnübungen, Massage und Schlaf zu finden. Mein Plan war, den Triathlon in 13 Stunden zu beenden und mindestens 6, besser 7 Stunden täglich zu schlafen. Bleiben 4-5 Stunden für den Rest - und die braucht man auch. Mein Plan, schaut man sich die Endzeiten an, ging perfekt auf.

3. Keine Bange: Probleme, sich am ersten Tag zu bremsen und nicht die persönliche Bestzeit als Maßstab heranzuziehen (meine ist 9:39h), hat man spätestens am dritten Tag nicht mehr. Mein Tempo an Tag 1 mit 12:15h war wohl angemessen, denn die Durchschnittszeit in den 10 Tagen lag bei knapp unter 13 Stunden; also relativ konstant.

4. Man lernt schnell, dass das morgendliche Schwimmen (50m-Bahn im Schwimmbad) die verlängerte Regeneration zum Schlafen ist – kein Witz! Konnte ich mir beim allmorgendlichen Gang zum Schwimmbad nur schwierig vorstellen, heute wieder einen solch langen Triathlon zu beenden, sah die Welt nach dem Schwimmen schon viel besser aus.

5. Geradelt wurde auf einer 9 Kilometer langen Strecke auf dem Rheindamm, im Grenzgebiet zu Liechtenstein. Jeden Morgen erwartete uns dabei das gleiche Schauspiel, als die Sonne über die Bergkuppen hinweg das Tal erhellte – ein toller Anblick. Auch hier erfüllte ich mein Ziel, den mittleren Part nach rund 6:30 Stunden abzuschließen, nahezu jeden Tag punktgenau. Auffallend war, dass jeden Tag der Wind nach rund 120km drehte und die zahlreichen Helfer der Veranstaltung die Radstrecke von Steinen und heruntergefallenen Äpfeln befreiten. An dieser stelle möchte ich den Organisatoren und Helfern, die eine perfekte Veranstaltung auf die Beine stellten, ein riesengroßes Kompliment aussprechenn. Danke, das war wirklich ganz großes Kino!

6. Der letzte Akt fand auf einem rund 1,5 km langen Rundkurs ums Schwimmbad statt. Sobald ich festen Boden unter den Füßen habe ist das Rennen für mich erfahrungsgemäß gelaufen. Die Laufstrecke wurde so gelegt, dass der größte Teil im Schatten liegt. Zudem ist sie nach Einbruch der Dunkelheit komplett ausgeleuchtet. Wie beim Radeln kommt man in jeder Runde am Infoscreen der Zeitnahme vorbei, wo man die letzte Rundenzeit, Rundenanzahl und die aktuelle Platzierung entnehmen kann. Auch hier erfüllte ich mein Soll planmäßig, auch wenn hier mit knapp einer Stunde der größte Zeitunterschied zwischen Tag 1 und 10 zu Buche steht.

7. Ernährung: Frühstück und beim Schwimmen nichts. Beim Radeln aß ich, wie geplant, Nudeln mit Tomatensoße, die mir Betreuerin Nadine täglich frisch zubereitete. Zwischendurch gab es noch 2 Eiweiß-Riegel. Dazu ernährte ich mich auch noch flüssig. Beim Laufen griff ich zunächst nur noch auf Flüssignahrung zurück. Von den 3 Mahlzeiten, die jedem Athleten seitens des Veranstalters zustanden, gab ich eine an Nadine ab, die anderen beiden „inhalierte“ ich nach dem Zieleinlauf. Dies änderte sich mit Tag 6. Als meine Endzeiten über 13 Stunden stiegen fing ich an, eine der beiden Mahlzeiten, aufgeteilt in 3 Portionen, schon während des Laufens zu mir zu nehmen, um Zeit zu sparen bzw. weiterhin zu meinen geplanten 7 Stunden Schlaf zu kommen.

8. Mit Nadine habe ich schon seit Jahren eine treue Betreuerin, die mir fast alles rund ums Schwimmen, Radeln und Laufen abnimmt. Ich rate davon ab, Wettkämpfe dieser Art ohne Betreuer anzugehen. Die Zeitersparnis oder vielmehr umgekehrt der -Verlust summieren sich zum Ende des Wettkampfes hin. Ein ganzes Projekt kann an fehlender Unterstützung scheitern. Neben dem Frust hast Du noch eine Menge Geld in den Sand gesetzt.
Mein erfolgreiches Finish verdanke ich auch Nadine, die die ersten Tage auch noch den späteren Sieger und einen guten Freund, Richard Widmer, mitbetreute. Dessen Freundin Bettina kam erst am 4. Tag hinzu. So hatten wir den optimalen Fall von 2 Helfern für 2 Athleten. Optimal deswegen, da sich die Kosten z.B. für Anreise und Unterbringung bei 2 Helfern in Grenzen halten und sollte eine Person mal abwesend sein immer noch Unterstützung zugegen ist.

9. Am Ende der 10 Tage hatte ich das Ziel erreicht und meine Vorgaben allesamt umgesetzt. Wirklich schwierig war es an keinem Tag. Selbst das Wetter war mit Temperaturen zwischen 25 und 35 Grad Celsius mein Freund. Unangenehm war es lediglich an Tag 6, als es regnete und der Wettkampf wegen eines Gewitters sogar für 30 Minuten unterbrochen war. Nicht einmal eine Blase hatte ich von den 422 Kilometern laufen zu beklagen. Unter dem Strich konnte ich den deutschen Rekord von 2007 um rund 6 Stunden und 20 Minuten unterbieten und landete hinter einem überragenden Richard Widmer, der mit 106:11:53 Stunden einen neuen Weltrekord aufstellte, und dem Esten Rait Ratasepp auf Platz 3.

10. Planungstipps: Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind für uns Deutsche exorbitant hoch. Z.B. kostet im Aldi alles rund das Doppelte. Ich empfehle alles was zum Essen usw. benötigt wird, mitzunehmen oder kühl zu lagernde Lebensmittel spätestens kurz vor Grenzübertritt in Österreich zu kaufen.
Dazu rate ich die Anfahrt über die Autobahn in Österreich vorzunehmen. Die Vignette kostet für 10 Tage 9 EUR, für die Schweiz gibt es nur Jahresvignetten für knapp 40 EUR. Sollte Dein Auto in Österreich liegenbleiben, benötigst Du für jeden Insassen eine Warnweste – sonst wird es richtig teuer!
Hochpreisig sind auch Hotels. Eine private Unterkunft kann den gesamten finanziellen Aufwand erheblich minimieren. Abraten kann ich aus eigener Erfahrung vom Campingplatz in Buchs. Eine Nacht kostet rund 40 EUR. Menschen, die lärmempfindlich sind, werden hier nicht zu Schlaf kommen. Die 100 Meter entfernte Kirche läutet im Viertelstundentakt die ganze Nacht durch. Nach genau einer schlaflosen Nacht flohen wir vor den „Terroristen“ (Fazit: Man kann gar nicht oft genug aus der Kirche austreten).
Die Anmeldung selbst gliedert sich in Anzahlung und Restzahlung innerhalb von mehreren Monaten. Ein guter Wechselkurs zum Schweizer Franken kann bei einem Startgeld von 2400 CHF rund 100 EUR Unterschied ausmachen.

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Bericht in der Werdenberger & Obertoggenburger vom 05.09.2016 als PDF-Datei