Geschichte des Ultratriathlons


1985
- Ein sogenannter Double-Ultratriathlon, bei dem alle Athleten 7,6 km schwimmen, 360 km Rad fahren und abschließend mit 84,4 km die Distanz von zwei Marathons zurücklegen müssen, wurde erstmals im September 1985 in Huntsville, Alabama, USA ausgetragen. Das Ärzte-Ehepaar Nancy und Raymond Sheppard rief die Veranstaltung zu Forschungszwecken ins Leben. Nur sieben Jahre nach dem ersten Ultratriathlon, dem legendären Ironman auf Hawaii, stellten sich 23 Sportler dieser Herausforderung. Erster Sieger war der Amerikaner Ken Wiseman in einer Zeit von 25 Stunden und 38 Minuten. Der letzte, der 17 Finisher, erreichte nach rund 50 Stunden das Ziel.

1986 - Cheryl Montgomery aus den USA erreichte bei der zweiten Auflage in Huntsville, als erste und einzige Frau im Teilnehmerfeld, nach rund 34 Stunden das Ziel. Ken Wiseman konnte seinen ersten Platz verteidigen und verbesserte seinen Rekord um über drei Stunden auf 22:28h.

1987 - Die Japanerin Eiko Endo verbesserte den Rekord von Montgomery aus dem Vorjahr um rund 7,5 Stunden auf 26:30h.

1988 - Es dauerte nur drei weitere Jahre bis im französischen Fontanil/Grenoble der erste Triple-Ultratriathlon mit 11,4 km schwimmen, 540 km Rad fahren und 126,6 km laufen ausgetragen wurde. Sieger wurde der Amerikaner Ken Wiseman in einer Zeit von 39 Stunden und 38 Minuten. Er ist somit auch der erste Mensch, der einen Double und einen Triple gewinnen konnte. Der letzte Athlet überquerte den Zielstrich nach rund 59 Stunden. Die erste "Triple-Finisherin" ist die Mexikanerin Silvia Andonie, die im Jahr 1989 nach rund 52 Stunden das Ziel erreichte.
Erstmals gab es zwei Ultratriathlons in einem Kalenderjahr mit insgesamt 36 Teilnehmern und 27 Finishern. Guy Rossi (FRA), Martin Feijen (NED), Dominique Callard (FRA) und Bruce Gillet (FRA) sind die ersten Menschen, die je einen Double und Triple in einem Jahr erfolgreich beendeten.
Wie sie, haben sich die Amerikaner Steve Bozeman und Dr. James Pitzer Gills den Titel der Ultratriathlon-Pioniere verdient: Sie sind die einzigen Triathleten, die bei den ersten vier Double-Ultratriathlons (1985-1988 in Huntsville) teilnahmen und dazu auch noch den Zielstrich überquerten. James Gills kaufte darüber hinaus im Dezember 1989 das Ironman-Label und formte die World Triathlon Corporation (WTC). Am Rennen in Hawaii selbst nahm er fünfmal erfolgreich teil. Für drei Millionen US-Dollar gekauft, veräußerte er die WTC im Jahr 2008 an die Investmentgesellschaft Providence für geschätzte 85 Millionen USD. 2015 war dem aktuellen Besitzer, der chinesischen Wanda Group, die Marke 650 Millionen USD wert. Von dieser Kommerzialisierung ist in der Ultratriathlon-Gemeinde auch 32 Jahre nach dem ersten Event nichts zu spüren (Stand Ende 2017).

1989 wurde der erste Quadruple-Ultratriathlon in Den Haag, Niederlande mit nur zwei Teilnehmern ausgetragen. Einziger Finisher war der Niederländer Martin Feijen nach rund 58 Stunden. Die erste Frau, die die 15,2 km schwimmen, 720 km Rad fahren und die abschließenden 168,8 km laufen erfolgreich beendete, ist Silvia Andonie aus Mexiko. Sie benötigte 1991 rund 72,5 Stunden.
An den vier Wettkämpfen des Jahres 1989 maßen sich 72 Teilnehmer; doppelt so viele wie noch ein Jahr zuvor. 50 von ihnen erreichten das Ziel. Die 46 Teilnehmer des Doppelten in Huntsville stellten bis 1997 einen Bestwert dar.
Bruce Gillet aus Frankreich war der einzige Triathlet, der bei allen vier Wettkämpfen an der Startlinie stand. Erfolgreich beenden konnte er jedoch "nur" den Triple in Fontanil. Martin Feijen (NED) ist der erste Mensch, der innerhalb eines Jahres die Ziellinie eines Triple und Quadruple erreichte. Mit umgerechnet sieben Langdistanzen hielt er auch die neue Bestmarke.
Gleich zweimal wurde der Rekord über die doppelte Langdistanz verbessert. Zunächst gelang dies dem Niederländer Wim-Bart Knol beim "Dutch Double" in 22:06h, nur kurze Zeit später legte wiederum Ken Wiseman (USA) die Latte nochmals ein Stück höher. Seine Siegerzeit in Huntsville war 21:44h.

1990 kamen mit dem Double in Colmar, Frankreich und in Lelystad, Niederlande zwei weitere Wettkämpfe hinzu. Der "Dutch Double" ist der erste Ultratriathlon in Europa.
Der Amerikaner Michael Roberts konnte als einziger Starter alle vier Wettkämpfe (3x Double und 1x Triple) des Jahres erfolgreich beenden. Dabei bedeuteten das Beenden der drei Doppelten sowie die umgerechnet neun Langdistanzen in einem Kalenderjahr jeweils einen neuen Rekord.
Silvia Andonie (MEX) hält mit zwei Siegen beim Double in Lelystad und Huntsville eine neue Bestmarke. Zudem konnte sie den Weltrekord um rund 30 Minuten auf nun 25:58h verbessern.
Ebenfalls zum ersten Mal konnte ein männlicher Athlet zwei Siege in einem Kalenderjahr einfahren: Wito de Meulder aus Belgien gewann die Doppelten in Lelystad und Colmar. Wolfgang Erhart (AUT) verbesserte den Rekord beim Triple um fast genau zwei Stunden auf 37:39h.
Die IUTA (International Ultra Triathlon Association) wurde gegründet. Sie fungiert bis heute als Dachverband, stellt dabei u.a. jährlich ein für Veranstalter und Athleten verbindliches Regelwerk und lobt eine Weltcupwertung aus. Die ersten Weltcup-Gewinner wurden der Österreicher Wolfgang Erhart und die Mexikanerin Silvia Andonie.

1991 - Nur sechs Jahre nach dem ersten Double- fand der erste Quintuple-Ultratriathlon in Den Haag, Niederlande statt. Dieser enormen Steigerung der zurückzulegenden Distanzen, stellten sich neun Männer und eine Frau. Die Siegerzeiten für 19km/900km/211km erzielten Martin Feijen (rund 77 Stunden) und Silvia Andonie (rund 100 Stunden).
Mit dem Quadruple Szekesfehervar in Ungarn kam ein weiterer Wettkampf hinzu. Insgesamt fanden nun fünf Ultratriathlons in Europa und einer in Nordamerika statt. Die Teilnehmerzahl der sechs Wettkämpfe des Kalenderjahres übersteigt mit 121 erstmals die Marke von 100.
Als erster Athlet stellte sich Michael Roberts (USA) fünf der sechs Veranstaltungen eines Kalenderjahres. Das Ziel erreichte er jedoch "nur" beim Double in Huntsville. Besser machte es der Ungar Janos Meszaros, der als erster Mensch in einem Jahr je einen Double, Triple, Quadruple und Quintuple meisterte. Umgerechnet entspricht dies 14 Langdistanzen - ebenfalls ein neuer Rekord. Guyla Rapolti aus Ungarn erreichte beim Quadruple in Szekesfehervar das Ziel in neuer Weltrekordzeit von 57:46h.
Die Mexikanerin Silvia Andonie stellte einen neuen Rekord bei den Damen auf: Sie erreichte den Zielstrich bei je einem Quadruple und Quintuple - in Summe neun Langdistanzen. Bei ihrem ersten Start über eine Ultradistanz unterbot die Deutsche Astrid Benöhr den Rekord des Double um rund 45 Minuten - die neue Bestzeit stand nun bei 25:14h.

1992 - In gerade einmal sieben Jahren wurde die Distanz im Ultratriathlon um ein Fünffaches zum sogenannten Deca-Ultratriathlon gesteigert. 20 Sportler stellten sich der Herausforderung, 38 km zu schwimmen, 1800 km auf dem Rad zurückzulegen sowie 422 km zu laufen. Von 19 Männern erreichten 18 den Zielstrich. Schnellster von ihnen war der Niederländer Martin Feijen nach rund 213,5 Stunden. Die einzige Frau im Teilnehmerfeld, Silvia Andonie aus Mexiko, war nach rund 249 Stunden erfolgreich.
In Belgien und Deutschland wurden mit dem Double in Middelkerke und dem Triple in Lensahn zwei neue Events ins Leben gerufen. Bei insgesamt acht Veranstaltungen auf zwei Kontinenten (sechs in Europa und zwei in Nordamerika) zählten die Veranstalter rund 150 Teilnehmer. Etwas mehr als 100 waren erfolgreich.
Beim Versuch, fünf Wettkämpfe in einem Jahr erfolgreich zu gestalten, scheiterten wiederum Michael Roberts aus den USA und Guy Rossi aus Frankreich. Andras Voloscsuk aus Ungarn schaffte, was noch keinem vor ihm gelang: Er war bei je einem Double, Triple, Quadruple und Deca erfolgreich. Die neue Bestmarke stand nunmehr bei umgerechnet 19 Langdistanzen. Silvia Andonie verbesserte ihren eigenen Rekord mit je einem erfolgreichen Finish beim Double und Deca auf umgerechnet zwölf Langdistanzen in einem Jahr.
Die Rekorde beim Double fielen '92 Schlag auf Schlag: Im Juni konnte sich Martin Feijen (NED) über seinen Welkrekord freuen. Seine Zeit von 21:07h, in Lelystad aufgestellt, unterbot der Belgier Wito de Meulder mit 20:25h nur einen Monat später in Colmar. Schon im September löste in Landsmann Mario Huys mit 20:12h in Middelkerke ab. Wolfgang Erhart (AUT) gelang es, seinen eigenen Rekord über die dreifache Langdistanz um ca. zwei Stunden auf 35:30h zu verbessern. Schauplatz war Fontanil in Frankreich. An gleichem Ort übertraf die Amerikanerin Angelika Castaneda den drei Jahre alten Rekord von Silvia Andonie um fast fünfeinhalb Stunden. Ihre neue Bestzeit von 46:31h für einen Triple hatte jedoch nur kurz Bestand. Nur drei Monate später verminderte Astrid Benöhr (GER) bei ihrem ersten Start über die dreifache Langdistanz den Rekord um sagenhafte sechseinhalb Stunden auf 39:51h.
Benöhr stellte diesen Rekord im ostholsteinischen Lensahn auf. Der erste Ultratriathlon in Deutschland war geboren. Damals konnte niemand ahnen, eben auch nicht Organisator Wolfgang Kulow, der selbst zweimal an seinem eigenen Rennen erfolgreich teilnahm, dass das Rennen jährlich ohne Unterbrechung auch noch heute bestand haben würde. Es ist der Wettkampf, der öfter als alle anderen stattfand - nämlich 26x (Stand Dezember 2017).

1993 - Astrid Benöhr (GER), Vidmantas Urbonas (LTU), Visti Petersen (DEN) und Günther Teichmann (GER) sind die ersten Menschen die zwei Triple in einem Jahr erfolgreich bestritten. Benöhr und Urbonas waren zudem auch noch beim Quadruple erfolgreich. Teichmann ist der erste Athlet, der fünf Events (zwei Double, zwei Triple und einen Quadruple) in einem Jahr erfolgreich beenden konnte. Astrid Benöhr ist die erste Athletin, die drei Ultratriathlons in einem Jahr erfolgreich abschloss.
Sie siegte dabei ausnahmslos und unterstrich ihre Ausnahmestellung mit dem zweiten Platz in der Gesamtwertung beim Double in Huntsville (USA) sowie dem dritten Platz von 13 Startern beim Quadruple in Szekesfehervar (HUN). Sie pulverisierte überdies den alten Rekord von Andonie. Die neue Bestzeit stand nun bei 59:15h - eine Verbesserung von fast 13,5 Stunden.
Ebenfalls in Szekesfehervar unterbot der Däne Sören Hojbjerre den alten Rekord über die vierfache Langdistanz von Rapolti um rund vier Stunden auf 53:41h. Mario Huys konnte seinen eigenen Rekord aus dem Vorjahr beim Double in Leuven (BEL), einem neuen Austragungsort, um 17 Minuten verbessern. Er ist der erste Mensch, der unter 20 Stunden blieb (19:55h).

1994 - Die Teilnehmerzahlen haben sich in den vergangen zehn Jahren rund vervierfacht, stellt man den Mittelwert aller Teilnahmen der ersten fünf mit den letzten fünf Jahren gegenüber (36 zu 134). Dies gilt für Frauen (1,6 zu 7) und Männer (34 zu 127) gleichermaßen. In fast gleichem Verhältnis stehen die Anzahl der Wettkämpfe. In den ersten fünf Jahren fanden neun, in den letzten fünf Jahren 31 Veranstaltungen statt.

1995 - Jaroslaw Pawelka (rund 312,5 Stunden) aus Tschechien und Silvia Andonie (403 Stunden) aus Mexiko hießen die Sieger beim einzigen Fifteenfold-Ultratriathlon, also der fünfzehnfachen einfachen Langdistanz. Alle acht Pioniere erreichten das Ziel.
Zum ersten Mal fanden an einem Ort (Monterrey, Mexiko) parallel Wettkämpfe über zwei verschiedene Distanzen (10x und 15x) statt.
Dem aus Litauen stammenden Vidmantas Urbonas gelang ein neuer Rekord mit insgesamt 23 bewältigten Langdistanzen (1x Double, 2x Triple und 1x Fifteenfold).
Silvia Andonie (MEX) stellte mit umgerechnet 15 Langdistanzen einen neuen Rekord auf. Astrid Benöhr (GER) erreichte als erste Frau bei vier Wettkämpfen (je zwei Double und Triple) den Zielstrich.

1998 - Die letzte Steigerung der Distanzen erfolgte kurz vor der Jahrtausendwende. Im mexikanischen Monterrey wurde erstmals der Double-Deca-Ultratriathlon mit 76 km schwimmen, 3600 km Rad fahren und 844 km laufen ausgetragen. Von sechs Teilnehmern waren vier erfolgreich. Es siegten Vidmantas Urbonas aus Litauen nach rund 437,5 Stunden sowie die Lokalmatadorin Silvia Andonie nach rund 643 Stunden.

2006 - Erstmals wurde neben der, den Ultra-Regeln entsprechenden und bekannten "Continuous-Variante", also die Distanzen der jeweiligen Disziplinen am Stück zu absolvieren, eine neue Version angeboten. Die sogenannte "Tages-Variante" wurde als Double-, Triple- und als Deca-Triathlon erstmals in Monterrey, Mexiko angeboten. Die Sieger beim 10xUT Day waren Pascal Jolly aus Frankreich mit rund 125,5 Stunden sowie Susanne Beisenherz aus Deutschland mit rund 151,5 Stunden. Der einzige Athlet beim 2xUT Day benötigte rund 37 Stunden.

2007 - Austragung des ersten Quintuple-Ultratriathlons in der "Tages-Variante" im mexikanischen Monterrey. Einziger Finisher von zwei Teilnehmern wurde Beat Knechtle aus der Schweiz mit einer Zeit von rund 69,5 Stunden.

2009 - Erstmals messen sich mehr als 200 Teilnehmer in einem Kalenderjahr bei acht verschiedenen Wettkämpfen. Nur zwei Jahre später, also 2011 sind es schon mehr als 300 Teilnahmen bei 13 Veranstaltungen.

2013 - Am Gardasee in Italien wurde mit dem Triple-Deca-Ultratriathlon in der "Tages-Variante" der bislang längste Ultratriathlon ausgetragen. Der Ungar Jozsef Rokob setzte sich nach rund 356,5 Stunden unter 21 Teilnehmern (20 Männer, zwei Frauen) durch. Acht von ihnen erreichten das Ziel.