GR131 Lanzarote 09.01.2016 - 72 km von Orzola nach Playa Blanca

Vom nordöstlichen Fischerdorf Orzola führt der GR 131 über die Vulkaninsel Lanzarote längs hinweg bis ins "Touristenmekka" Playa Blanca im Südwesten. Dabei heißt es rund 70 Kilometer und 1500 Höhenmeter auf unterschiedlichen Untergrund zu überwinden. 2011 von der Inselverwaltung geplant und bis 2013 umgesetzt, wurde der alte Wanderweg "restauriert".

Dieser ist nun komplett ausgeschildert und jeder Kilometer mit einem Stein markiert. Diese sind teilweise gut versteckt - also Augen auf!

Um es gleich vorweg zu nehmen: Gegenüber dem alten Weg gibt es Änderungen. Gleich zu Beginn in Orzola führt der Weg nicht mehr rechts von der Straße in einen kleinen steinigen Pfad hinein, sondern folgt der Straße gen Süden. Der Friedhof in Yaiza ist nun von der Route ausgenommen. Man durchläuft den halben Ort auf der Hauptstraße. In Maguez, Haria, San Bartolome und zum Ende in Playa Blanca ist die Markierung teilweise unzureichend. Meinen Track findet ihr als GPX- und KML-Datei am Ende des Textes zum Nachlaufen.

Dieses Projekt habe ich schon seit einigen Jahren auf meiner "To-Do-Liste" und zu Beginn des Jahres 2016 kann ich einen Haken daran machen. Da um diese Jahreszeit die Sonnenscheindauer ca. 10,5 Stunden beträgt bin ich ein wenig unter Zeitdruck und starte auch gleich mit Tempo drauf los. Vom Hafen in Orzola (von hier aus ist ein Übersetzten auf die 650 Einwohner zählende Insel La Graciosa möglich) geht’s zunächst über Asphalt hinweg. Die ersten Anstiege folgen sogleich.

Nach weniger als 10 km habe ich die ersten 350 Meter vertikal "erklommen" und den mit 609 Metern höchsten Vulkan Lanzarotes, Monte Corona, zuletzt vor 5000 Jahren ausgebrochen, passiert. Die unwirtliche, jedoch zum Teil grüne Landschaft beeindruckt jedes Mal aufs Neue. Kurze Zeit später erreiche ich den Ort Maguez und das Museum Cesar Manriques, dem "Gestalter" Lanzarotes, in der Palmenstadt Haria.

Ein Forstweg führt zu den bei Radfahrern beliebten Serpentinen, die wiederum fast bis hinauf zum Penas del Chache, mit 670 Metern die höchste Erhebung Lanzarotes, reichen. Die Serpentinen selbst quert ein schmaler, steiler Geröllpfad. Über ihn erreiche ich nach 16 Kilometern etwas unterhalb der Militärstation den höchsten Punkt (618m) meines Weges und gleich darauf "Ermita de las Nieves", zu Deutsch: "Wallfahrtskapelle des Schnees". Von hier, dem "Dach" des Risco de Famara, hat man einen sagenhaften Ausblick auf die Bucht Caleta de Famara und an klaren Tagen bis zum größten Sporthotel Europas, dem "Club La Santa".

Mein Weg führt mich nach Teguise, bis 1852 Hauptstadt und zusammen mit Betancuria auf der Nachbarinsel Fuerteventura älteste Stadt der Kanaren. Zwischen Teguise und dem nächsten Ort San Bartolome liegt ein anstrengender Weg, der von gerölligem Untergrund zu wüstenähnlichen Pisten wechselt. Die schweren Regenfälle, jeweils im Herbst der letzten beiden Jahre haben Teile des Weges einfach weggespült. Hier heißt es improvisieren!

Am südlichen Ortsende San Bartolomes führt der GR 131 am schmucken Herrenhaus "Casa Major Guerra", einst Residenz des Bürgermeisters, heute ein Museum, vorbei. Die Hälfte meiner Tour ist geschafft. Von hier aus umläuft man die Vulkane "Montana Guatisea" und "Montana Blanca". Ganz nebenbei habe ich irgendwo am "weißen Vulkan" horizontal einen Marathon zurückgelegt.

Nachdem ich Tias nördlich und Conil südlich gestreift habe, geht es hinauf durch den Ort La Asomada. Ein Schotterweg führt durch den Teil, der für mich Lanzarote ausmacht. Während ich durch das pechschwarze Weinanbaugebiet "La Geria" laufe, habe ich einen fantastischen Ausblick auf die zahlreichen Vulkane des Nationalparks Timanfaya und eben auf die kleinen von Steinen umrahmten Krater, in denen jeweils ein Rebstock wächst. Diese traditionelle Anbaumethode funktioniert in der meterhohen Ascheschicht (Lapilli) besonders gut, da sie die geringe Jahresniederschlagsmenge optimal speichert bzw. "verwertet". Für mich sieht dieses Anbaugebiet wie ein Feld von dunklen UFO-Landeplätzen aus – faszinierend.

Die nächsten beiden Orte des Tracks sind Uga und Yaiza, welche während der Vulkanausbrüche von 1730 – 1736 nahezu komplett zerstört wurden. Wie schon eingangs erwähnt, durchläuft man Yaiza bis zur Treppe die links hinauf zu einem Forstweg unterhalb des Montana del Medio führt.

Zunächst kann ich noch den Ausblick auf die Salzgewinnung "Salinas del Janubio" genießen. Doch nach wenigen Kilometern wird die Strecke unwegsam. Auch hier haben die Unwetter der letzten beiden Jahre ganze Arbeit verrichtet. Bis Las Brenas und auf dem letzten Teilstück ins Ferienparadies Playa Blanca ist teilweise nicht mal mehr ein Weg erkennbar. Auch hier heißt es improvisieren!

Das Ziel schon im Blick ereilen mich noch zwei Schrecksekunden. Zunächst liefen zwei herrenlose Hunde mit lautem Gebell auf mich zu. Mein Radhändler, Peter, verriet mir für solche Situationen den Trick, einen Stein aufzuheben und zum Wurf anzusetzen. Dies würden Hunde im Allgemeinen verstehen. So war es auch. Als ich einen Stein aufhebe, bleiben beide Hunde wie auf ein Kommando stehen. Kurz danach und dies auch noch als der Weg wieder besser wird, bleibe ich an einem Stein hängen und lege mich doch noch flach. Glücklicherweise falle ich den Sand und nicht auf einen der zahlreichen herumliegenden Steine.

Mit ein paar Schrammen, die davon Zeugen etwas erlebt zu haben, komme ich in Playa Blanca, das Urlaubsdomizil im Süden der Insel, an. Brutto benötigte ich 9:59, netto 8:33 Stunden und erreiche mein Ziel somit bei Tageslicht.

Track des GR131 Lanzarote als GPX- oder als KML-Datei herunterladen.